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Heinrich Kley 1863 Karlsruhe - 1945 München
Sein Lebenslauf, verfaßt von seiner zweiten Frau Emily in einem Brief vom
31.07.1963 an Herrn Kirmes:
Heinrich Kley wurde geboren in Karlsruhe am 15. April 1863 als Sohn eines Silberschmieds.
Seine frühesten Erinnerungen gingen zurück auf die Silberschmiede mit Feuer und Ambos.
Sein Vater starb als er 10 Jahre alt war. Er besuchte das Gymnasium bis zur
Oberprima, wo er absprang, weil er auf die Kunstschule gehen wollte.
Er hatte einen geizigen Stiefvater bekommen, und um den nicht um Geld bitten zu müssen,
fing er mit 17 Jahren an Geld zu verdienen, während er auf der Kunstschule war.
Er stand morgens vor 5 Uhr auf und arbeitete bis zum Anfang der Schule;
und abends nach Schulschluß bis in die Nacht in einer sog. privaten Kunstanstalt,
die sich damals besonders auf Holzbrand[malerei] verlegt hatte. Die Aufträge bewegten sich
zwischen dem "Henkersteg in Nürnberg" für 5 M. bis zum Jagdzimmer des rumänischen
Königs, dessen Wände ganz mit Jagdszenen auf einzelnen großen Brettern gebrannt,
bestanden. Nebenher zeichnete er, was ihm einfiel.
Sein erster größerer Auftrag war für den Festzug der Universität Heidelberg
zur Feier ihres 500jährigen Jubiläums im Jahre 1886. 1500 Mark die er dafür
erhielt, erschienen ihm als Existenzgrundlage und er heiratete daraufhin als 23jähriger,
und es wurde trotz schwerer Anfangsjahre eine sehr glückliche Ehe.
Er nahm jeden Auftrag an; er war Reporter und Zeichner für "Über Land und Meer",
und für eine englische Zeitung und zeichnete für mehrere kleine Kunstanstalten
unkünstlerische und schlecht bezahlte Aufträge.
Nebenher versuchte er verzweifelt Zeit zum Bilder malen und Berühmt werden herauszubringen
und war stolz, wenn er auf der Münchner Secession ein Bild unterbrachte. Seine große
Lebhaftigkeit, sein sprudelnder Witz hat viele Menschen angezogen, aber eigentlich war er
Einzelgänger, fast ein Sonderling; auch mußte er immer auf die zarte kränkelnde Natur seiner
Frau Rücksicht nehmen. Nach und nach kam er zu besseren Aufträgen, er wurde durch Nistler
in Nürnberg der Postkarten-Kley, der überall hingeschickt wurde, auch nach Paris,
und seine feinen Aquarelle auf den Straßen malte.
Inzwischen war er durch einen Zufall an Krupp gekommen, und damit kam die andere Seite seiner
Kunst zum Durchbruch, für die er sein ganzes späteres Leben mit großem Fleiss und vieler
Mühe tätig war.
Abends, zu seiner Entspannung zeichnete er Skizzenbücher voll mit Menschen und
Tieren und Riesen und Centauren. Eines Tages kam Konrad Dreher [?] nach Karlsruhe,
sah die Skizzenbücher, nahm eines mit
und zeigte sie Albert Langen {Verleger des Simplizissimus und der Skizzenbuücher]
in München, der sich sofort dafür interessierte; auch Hirth
von der Jugend war begeistert und beide redeten ihm zu, ganz nach München zu kommen.
1909 tat er es. Leider starb Albert Langen kurz darauf und aus all dessen Plänen wurde nichts.
Aber er fasste doch festen Fuss und es ging ihm gut; aber seine Industrie Aufträge blieben
sein täglich Brot bis zum Ende.
1922 starb seine Frau nach jahrelanger Krankheit. 1923 verlor er durch die 1. Inflation
sein ganzes erspartes Vermögen und musste von vorn anfangen. 1928 heiratete er
wieder [Emily Kley]. Von 1934 ab war er öfter krank, wurde mehrmals operiert und starb im
Februar 1945 im Nymphenburger Krankenhaus.
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